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Der Business Case für Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit hat sich von der befürchteten Profitbremse zum Wettbewerbsvorteil entwickelt

In den frühen 1990er Jahren wurden Unternehmen, die sich besonders für sozialen Themen und Umweltschutz einsetzen von Investoren mit viel Skepsis beurteilt. Damals ging man davon aus, dass ein Engagement in Nachhaltigkeitenthemen automatisch weniger Rendite für die Aktionäre bedeutet würde.

Diese Einstellung hat sich in den letzten Jahren entscheidend geändert. Larry Fink, der Vorstandsvorsitzende von Blackrock, dem größten Vermögensverwalters weltweit, sieht Nachhaltigkeit nun als verantwortungsvollen Umgang mit Risiken an und schreibt:

Nachhaltige Anlagelösungen können Kunden bessere Anlageergebnisse bieten. Daher machen wir Nachhaltigkeit zu einem integralen Bestandteil unserer Herangehensweise an das Risikomanagement, die Portfoliokonstruktion, die Produktentwicklung und den Umgang mit Unternehmen, in die wir investieren. Wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit unser neuer Investmentstandard sein sollte.

Larry Fink, Vorstandsvorsitzender Blackrock

Wie sieht es aber für die Unternehmen selbst aus? Muss man finanziell erfolgreich sein, um sich das Engagement für Nachhaltigkeit leisten zu können? Sind Unternehmen also finanziell erfolgreich, obwohl sie nachhaltig wirtschaften, oder gerade deshalb?

Unternehmen, die sich für eine nachhaltige Strategie entscheiden, sind auf lange Sicht profitabler

Eine Untersuchung, die sich diesem Thema mit großer wissenschaftlicher Sorgfalt gewidmet hat, ist eine Längsschnittstudie von Wissenschaftlern der Harvard Business School und der London Business School. Sie untersuchten 180 amerikanische Unternehmen

  • 90 davon hatten sich klare Nachhaltigkeitsziele in allen Bereichen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung)
  • 90 davon hatten sich nur wenige Nachhaltigkeitsziele definiert, ansonsten ähnelten sich die Vertreter der Vergleichsgruppe in Bezug auf Branche, Unternehmensgröße, Kapitalstruktur Betriebsleistung und Wachstumschancen.

Beide Gruppen hatten zu Beginn der Untersuchung die gleiche finanzielle Performance. Die Forscher verglichen die Daten dieser Unternehmen über einen Zeitraum von 18 Jahren. Der Zeitraum wurde so lang gewählt, damit eine umgekehrte Wirkrichtung (d.h. besseres Finanzergebnis ermöglicht mehr Engagement im Nachhaltigkeitsbereich) sowie weitere Wirkfaktoren ausgeschlossen werden konnten.

Hätte man also 1992 einen Dollar in das wertgewichtete Portfolio von Unternehmen mit hoher Nachhaltigkeit investiert, dann wäre die Anlage bis Ende 2010 auf 22,6 Dollar angewachsen.

Im Gegensatz dazu wäre die Investition eines Dollars Anfang 1992 in das wertgewichtete Portfolio von Unternehmen mit geringer Nachhaltigkeit bis Ende 2010 nur auf 15,4 Dollar angewachsen

Insgesamt stellten Eccles, Ioannou und Serafeim fest, dass das Portfolio mit hoher Nachhaltigkeit in 11 von 18 Jahren deutlich besser abschneidet als das mit niedriger Nachhaltigkeit und gleichzeitig eine geringere Volatilität aufweist.

Wie ist dieser Performance-Unterschied zu erklären?

Unternehmen die in der Studie mit hoher Nachhaltigkeit gruppiert wurden, wiesen folgende Prkatiken auf:

  • sie waren deutlich eher bereit ist, dem Vorstand die Verantwortung für Nachhaltigkeit zu übertragen und einen separaten Vorstandsausschuss für Nachhaltigkeit zu bilden
  • die Vergütung von Führungskräften war mit höherer Wahrscheinlichkeit an die Erfüllung von ökologischen, sozialen und externen Kriterien (z.B. Kundenzufriedenheit) gekoppelt
  • die Unternehmen hatten mit häufiger einen formellen Prozess zur Einbindung von Interessengruppen (Stakeholder) eingerrichtet. Hierzu werden die Risiken und Chancen identifiziert. Der Umfang der Einbindung wird dabei im vorhinein festgelegt, die Führungskräfte werden in der Einbindung von Interessengruppen geschult, die wichtigsten Interessengruppen werden identifiziert, die Ergebnisse des Stakeholder-Engagements werden sowohl intern als auch extern berichtet werden und das Feedback der Stakeholder wird zurück an den Vorstand geleitet.
  • die Unternehmen scheinen auch eher langfristig orientiert zu sein: Sie haben eine Investorenbasis mit einem größeren Anteil an langfristig orientierten Investoren und sie stellen Analysten mehr langfristige Informationen zur Verfügung.
  • sie kommunizieren transparent, sie messen eher Informationen in Bezug auf wichtige Interessengruppen wie Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten und und erhöhen die Glaubwürdigkeit dieser Maßnahmen durch den Einsatz von Auditverfahren und legen mit höherer Wahrscheinlichkeit ihre nicht-finanziellen Daten (z.B. Umwelt-, Sozial- und Governance-Daten) offen.

Die Unternehmen haben sich also zu Nachhaltigkeitsziele gesetzt, und diese dann schrittweise in ihrem Unternehmen und in Beziehung zu ihren relevanten Interessengruppen umgesetzt. Das ist steht in starkem Kontrast zu Greenwashing, wo zwar Maßnahmen angekündigt werden, die aber keine tiefgreifenden Konsequenzen haben für die Art und Weise, wie das Unternehmen agiert. Greenwashing zielt also ausschließlich auf den erhofften positiven Reputationseffekt ab, während erst die konsequente Verankerung von Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie und damit auch im operativen Handeln zu den erwünschten positiven finanziellen Ergebnissen führt.

Vertiefende Links:

  • Dieser Artikel ist die Längsschnittstudie von 180 Unternehmen, deren Strategie, Nachhaltigkeitsziele und Profitabilität unterstucht wurden: Eccles, R. G., Ioannou, I., & Serafeim, G. (2014). The Impact of Corporate Sustainability on Organizational Processes and Performance. Management Science, 60(11), 2835–2857. https://doi.org/10.1287/mnsc.2014.1984
  • In diesem Artikel wurden die Einstellungen von Investoren gegenüber nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen untersucht, und eine markante Trendwende festgestellt: N von Ioannou, I., & Serafeim, G. (2015). The impact of corporate social responsibility on investment recommendations: Analysts‘ perceptions and shifting institutional logics. Strategic Management Journal, 36(7), 1053–1081. https://doi.org/10.1002/smj.2268
  • In diesem Artikel der Wirtschaftswoche wird das Vorgehen von Blackrock analysiert: Blackrock CEO Larry Fink: Mehr Klimaschutz für Kapitalanleger
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